Die Materialkosten

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Zu den Materialkosten gehört der Verbrauch von Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen sowie fremdbezogener Fertigteile und Waren. Materialkosten sind das Ergebnis des mengenmäßigen Verbrauches sowie der preislichen Bewertung.

Damit ergeben sich drei konkrete Fragestellungen:

  1. Welche Materialarten werden eingesetzt?
  2. Welche Menge wurde (wird) verbraucht?
  3. Wie sind diese Mengen zu bewerten?

Materialarten

  • Rohstoffe
    Rohstoffe gehen als Hauptbestandteile in das Erzeugnis ein und werden als Einzelkosten erfasst. Bei einem Möbelstück wären das z. B. Spanplatten und Furniere.
  • Hilfsstoffe
    Hilfsstoffe gehen ebenfalls direkt in das Erzeugnis ein. Sie stellen aber nur Nebenbestandteile dar (geringer Anteil am Wert des Produkts). Die Kosten könnten eigentlich einem Kostenträger direkt zugeordnet werden. Der damit verbundene Arbeitsaufwand ist aber sehr hoch. Sie werden daher oft als unechte Gemeinkosten behandelt. Bei einem Möbelstück wären das z. B. Schrauben, Nägel oder Leim.
  • Betriebsstoffe
    Betriebsstoffe werden bei der Herstellung verbraucht (genutzt). Sie gehen aber nicht unmittelbar in das zu fertigende Erzeugnis ein. Bei einem Möbelstück wären das z. B. Strom zum betreiben der Maschinen, Schmiermittel oder Putzmaterial.
  • Zulieferteile
    Zulieferteile gehen ohne weitere Be- oder Verarbeitung in die zu produzierende Ware ein. Verrechnungstechnisch kann es sich um Rohstoffe (Einzelkosten) oder Hilfsstoffe (Gemeinkosten) handeln.
  • Handelswaren
    Handelswaren werden zur Ergänzung der Angebotspalette erworben und werden ohne Be- und Verarbeitung weiterverkauft.

Ermittlung des mengenmäßigen Verbrauchs

  • Zugangsmethode
    Zugänge werden in voller Höhe als Aufwand erfasst und fließen als Kosten in die Kostenrechnung ein.
    Verbrauch = Zugang laut Lieferschein
    Einfache Handhabung; Bestandsveränderungen bleiben aber unberücksichtigt.
  • Inventurmethode (Befundrechnung)
    Verbrauch der Periode = Anfangsbestand der Periode + Lagerzugänge - Endbestand (Inventur)
    Zuverlässige Ermittlung des tatsächlichen Verbrauchs; hoher Arbeitsaufwand
    Da der Verbrauch nur summarisch ermittelt wird, kann er nicht den einzelnen Kostenstellen und Kostenträgern zugeordnet werden. Außerordentliche Bestandsminderungen können nicht gesondert ermittelt werden. Für die regelmäßige unterjährige Verbrauchsermittlung ungeeignet.
  • Fortschreibungsmethode (Skontrationsmethode)
    Der Materialverbrauch wird mit Hilfe von Materialentnahmescheinen ermittelt.
    Verbrauch = Lagerabgänge
    Zuverlässige Ermittlung des tatsächlichen Materialverbrauchs möglich. Es kann nach Kostenstellen, Kostenträgern und Verbrauchsursachen differenziert werden. Damit ist eine Trennung in planmäßigen und außerplanmäßigen Verbrauch möglich.
  • Rückrechnungsmethode (Retrograde Methode)
    Der Materialverbrauch wird aus der Anzahl der hergestellten Halb- und Fertigerzeugnisse ermittelt.
    Verbrauch = hergestellte Stückzahl * Sollverbrauch pro Einheit
    Diesem Verfahren kommt nur eine geringe Bedeutung zu.

Bewertung der Materialverbrauchsmengen

  • Tatsächliche Anschaffungspreise
  • Durchschnittliche Anschaffungspreise
    Zur Ermittlung des Durchschnitts gibt es zwei Möglichkeiten:
    • die gewogene Durchschnittsbewertung
      Dabei wird am Ende des Jahres aus den Anfangsbeständen und den Zugängen ein Durchschnittswert ermittelt, mit dem die Abgänge und der Endbestand bewertet werden.
    • die gleitende Durchschnittsbewertung
      Dabei wird nach jedem neuen Zugang ein neuer Durchschnittspreis errechnet. Dieser wird dann für die Bewertung des nächsten Abgangs angewandt. Der letzte im Jahr ermittelte Durchschnittspreis wird zur Bewertung des Endbestands herangezogen.
    Hier finden Sie ein Beispiel zur Durchschnittsbewertung nach beiden Verfahren.
  • Anschaffungspreise nach Verbrauchsfolgeverfahren
    • Lifo-Verfahren (lifo = last in - first out)
      Es wird unterstellt, dass die Verbrauchsgüter, die zuletzt angeschafft worden sind, als erstes wieder verbraucht werden.
      Hier finden Sie ein Beispiel zum Lifo-Verfahren.
    • Fifo-Verfahren (fifo = first in - first out)
      Es wird unterstellt, dass die Verbrauchsgüter, die zuerst angeschafft worden sind, als erstes wieder verbraucht werden.
      Hier finden Sie ein Beispiel zum Fifo-Verfahren.
    • Hifo-Verfahren (hifo = highest in, first out)
      Es wird unterstellt, dass die Verbrauchsgüter mit den höchsten Anschaffungskosten, als erstes wieder verbraucht werden.
      Hier finden Sie ein Beispiel zum Hifo-Verfahren.
    • Lofo-Verfahren (lofo = lowest in, first out)
      Es wird unterstellt, dass die Verbrauchsgüter mit den niedrigsten Anschaffungskosten, als erstes wieder verbraucht werden.
      Hier finden Sie ein Beispiel zum Lofo-Verfahren.
    Die Hinweise zur Zulässigkeit in den Beispielen beziehen sich auf das Steuerrecht. In der Kostenrechnung gibt es keine derartigen Einschränkungen. In der Kostenrechnung finden Verbrauchsfolgeverfahren selten Anwendung. Die Verfahren sind vor allem für die Aufstellung von Handels- und Steuerbilanz von Bedeutung.
  • Wiederbeschaffungspreise
    Wiederbeschaffungspreise werden selten eingesetzt.
  • Feste Verrechnungspreise
    In der Kostenrechnung sind vor allem die Mengenabweichungen in den einzelnen Kostenstellen von Bedeutung. Besonders in der Normal- und Plankostenrechnung sind feste Verrechnungspreise wichtig. Zur Ausschaltung von Preiseinflüssen aus der Verbrauchsabweichung verwendet die Plankostenrechnung feste Planpreise.
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